Inklusion

Filmtipp: „Berg Fidel – eine Schule für alle“

Filmtipp: „Berg Fidel – eine Schule für alle“: Inklusion als gelebte Utopie

Im Münsteraner Stadtteil Berg Fidel liegt die gleichnamige inklusive Grundschule. Behinderte und nichtbehinderte Kinder drücken in „Berg Fidel“ ganz selbstverständlich gemeinsam die Schulbank. Hella Wenders, Absolventin der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, war von dem Miteinander so angetan, dass sie für ihren Abschlussfilm vier Kinder mit der Kamera drei Jahre lang begleitet hat. Ab dem 13. September läuft ihr preisgekrönter Film „Berg Fidel“ deutschlandweit im Kino an.


Von wegen „behindert“


Ein Junge liest vor, fast fehlerfrei trägt er eine spannende Weltraumgeschichte vor. Eine Rakete soll landen, der Countdown beginnt. Der Junge heißt David, er ist sieben Jahre alt. Seine Geschichte hat er selbst geschrieben. Dabei ist das hochbegabte Kind auch „behindert“: David kann schlecht hören und sehen, er hat das Stickler-Syndrom. Seine körperlichen Defizite sind im Film zunächst nicht zu bemerken – weder sieht der Zuschauer das Hörgerät, noch ahnt er etwas von einem fast blinden rechten Auge. Denn David redet wie ein Elfjähriger, er ist intellektuell seinem Alter weit voraus.

Lernen von- und füreinander

Sein Bruder Jakob scheint da wie sein Gegenpol. Er hat das Down-Syndrom und spricht sehr undeutlich, ist motorisch ungeschickt. Die anderen Kinder mögen ihn und helfen ihm bei seinen Aufgaben. Dafür gibt er ihnen auch etwas zurück: Jakob lacht viel und kann „gut trösten“, sagen sie.
Außerdem ist da noch Lucas; seine Lese- und Rechtschreibschwäche schränkt ihn nur leicht ein. Er denkt viel über Gerechtigkeit nach und kann erklären, wie man einen Sportwagen „frisiert“. Und schließlich wird noch Anita vorgestellt. Aufgrund ihrer Größe scheint sie schon zu alt für die Grundschule zu sein. Sie kommt aus dem Kosovo, ist als Flüchtlingskind von Abschiebung bedroht. Sie möchte Top-Model werden, hat aber keine Zeit fürs Lernen, weil sie auf ihren kleinen Bruder aufpassen muss.


Ein Film, den sich Schulpolitiker anschauen sollten

Mit viel Geduld

So, wie viele Primarschulen in ganz Deutschland das gemeinsame Lernen von nichtbehinderten und behinderten Kindern umsetzen, macht auch die Schule in Berg Fidel dies mit Geduld und erheblichem Aufwand. Außer den Klassenlehrern begleiten ausgebildete Sonderpädagogen und Integrationshelfer die behinderten Kinder. Die Einrichtung ist nach dem Montessori-Konzept angelegt, so dass die Kinder in altersgemischten Klassen lernen und einen eigenen Klassenrat haben, in dem sie ihre Sorgen und Probleme gemeinsam lösen können.

Auf Augenhöhe der Kinder

Die Regisseurin Hella Wenders war begeistert von dem Umgang der Schüler untereinander. Sie drehte alle drei Monate fünf Tage in der Woche und ließ nur die Kinder zu Wort kommen: „Es hätte die Magie der Kinder genommen, wenn ein Erwachsener etwas erklärt hätte“, begründet Wenders ihre Arbeit. Der Film erzählt vier Geschichten von vier jungen Menschen, die auf unterschiedlicher Weise heranwachsen und sich entwickeln. Nur wenig mischt sich die Regisseurin ein, ab und zu stellt sie ein paar Fragen. Ansonsten lässt sie „ihre“ Kinder lernen, erzählen, diskutieren, lesen und Musik machen.

So geht Inklusion

Dabei ist wohl einer der erstaunlichsten Momente der, wo der geistig behinderte Jakob im Klassenrat redet. Jakob kann nur sehr undeutlich reden, so etwas wie „Baum“ und „bumm“ ist da zu hören. Der Lehrer bittet ein Kind wiederzugeben, was Jakob gesagt hat. Und die Kinder haben es verstanden und „übersetzen“ es dem verblüfften Zuschauer. „Das zeigt ja alles: dass man zusammen sein muss, damit man sich verstehen kann!“, sagt Hella Wenders zu dieser Szene. Und definiert damit den Sinn von Inklusion. Für ihren berührenden Film hat die Nichte des Regisseurs Wim Wenders im vergangenen Jahr unter anderem den mit 10.000 Euro dotierten Dokumentarfilmpreis der Stadt Lünen erhalten.

[Quelle]

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